Premiere Samstag 29.8.2020 um 20:00 Uhr

FUROR von Lutz Hübner und Sarah Nemitz

 INHALT                                                                                                            Ausgerechnet in der heißen Phase seines Wahlkampfs um das Amt zum OB einer großen deutschen Stadt gerät der Ministerialdirigent Heiko Braubach in einen Verkehrsunfall. Mitten im Bahnhofsviertel fährt er einen jungen Mann so schwer an, dass dieser für immer an den Rollstuhl gefesselt sein wird. Zwar ist Braubach schuldlos - der Junge stand zum Zeitpunkt des Unfalls unter massivem Drogeneinfluss und war einfach auf die Straße gelaufen -, dennoch beschließt er, wenn auch mit zweieinhalb wöchiger Verspätung, die Mutter des Jungen aufzusuchen, um mit ihr gemeinsam zu überlegen, wie man ihrem Sohn, der noch im Krankenhaus liegt, die richtige Hilfe zukommen lassen kann.
Die Mutter, Nele, von Beruf Altenpflegerin, die jeden Cent dreimal umdrehen muss, reagiert zunächst reserviert auf Braubachs Vorstöße. Mit der Zeit jedoch taut sie merklich auf und wirkt fast dankbar angesichts der ehrlichen Betroffenheit und selbstlos wie großzügig vorgetragenen Hilfsangebote Braubachs. Alles scheint auf ein vernünftiges Ziel hinzulaufen, als mit einem Mal der Cousin des schwerverletzten Junge - Jerome - auftaucht. Dieser sieht die Stunde seines heiligen Zorns gekommen. Da ist sie, die Fratze des machtgierigen, bigotten und nur auf die eigene Karriere bedachten Politikers! - doch nicht mit Jerome. Für ihn ist klar, dass Braubach nur aufgekreuzt ist, um zu vermeiden, dass sich die ganze Geschichte im Wahlkampf gegen ihn wenden könnte. Und so wittert Jerome seine Chance, Braubach zu erpressen. Doch da hat er die Rechnung ohne den abgezockten Politiker gemacht. Ein Schlagabtausch entspinnt sich zwischen den beiden: auf der einen Seite der etablierte, pragmatische Politiker, auf der anderen Seite ein junger Mann voller extremer Positionen, die sich aus Enttäuschung, Wut und Hass speisen.

Das erfolgreiche Autorenduo Lutz Hübner und Sarah Nemitz („Frau Müller muss weg“) schickt in seinem neuesten Stück exemplarisch drei Vertreter einer Gesellschaft, deren Konsens zerfällt, in einen rasanten Showdown. Wer repräsentiert eigentlich noch die Verlierer des neoliberalen Wettbewerbs? Was lässt unsere Gesellschaft auseinanderbrechen? Wie erodieren demokratische Werte? Diese Fragen waren der Ausgangspunkt für das Autorenduo.

Inszenierung: Kay Szacknys

mit: Willi Schlüter, Frederick Reents, Inga Kolbeinsson


"Das Boot ist voll"        Mi 16.9. 20:00 Uhr                                                         Theatermonolog von Antonio Umberto Riccò                                                             nach der szenischen Lesung: „Ein Morgen vor Lampedusa“

THEATER in der LIST

Das Stück „Das Boot ist voll“ erzählt die Geschichte von Vito Fiorino, der am 3. Oktober 2013 mit einer Gruppe Freunde unfreiwillig zum Retter von 47 gekenterten Flüchtlingen vor Lampedusa wurde. Bei der Aufführung im Theater in der List sitzt der echte Fiorino im Publikum – und ist begeistert. 

Hannover-List

 „Es war Zeit, zu helfen.“ Das ist wohl der Satz, der den Inhalt des Theaterstücks „Das Boot ist voll“ am besten zusammenfasst. Das Theater in der List präsentierte Anfang April die Premiere des Stückes von Antonio Umberto Riccò. Darin wird die Geschichte von Vito Fiorino wiedergegeben, der am 3. Oktober 2013 mit einer Gruppe Freunde unfreiwillig zum Retter von 47 gekenterten Flüchtlingen vor Lampedusa wurde. Willi Schlüter, der Fiorino darstellt, berichtet in einem packenden Monolog, was eine solche Rettung bedeutet, sowohl im Moment als auch im Nachhinein. 

„Das Stück hat mich emotional sehr berührt“, sagt der echte Vito Fiorino danach. „Schlüter war genau mein Ebenbild.“ Schlüter und Fiorino bei der Premiere zum ersten Mal getroffen, nachdem sie zuvor einen ausgiebigen Online-Kontakt aufgebaut hatten. „Es ist sehr aufregend für mich, dass der Mensch, den ich spiele, im Publikum sitzt und zuhört“, sagt Schlüter dazu. „Das ist etwas Besonderes. Fiorino ist mir sehr nahe.“ 

Antonio Umberto Riccò, der Regisseur und Autor des Theaterstücks, hat sich schon seit Jahren mit dem behandelten Thema befasst. „Auch wenn das konkrete Stück erst seit September in Arbeit ist – die Wahrheit ist eigentlich: Die Arbeit daran begann schon 2013 mit der Katastrophe“, sagt der Deutschitaliener. Sein Ziel ist es, mit „Das Boot ist voll“ Denkanstöße zu geben, die länger andauern als die 80 Minuten Spielzeit. Auch in Schulen soll das Stück in den kommenden Wochen aufgeführt werden. Vor allem bei den Schülern sei eines besonders wichtig, sagt Riccò: „Wir wollen die Menschlichkeit fördern.“

HAZ Kultur 07.04.2018  Von Nele Schröder           mehr Infos

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Premiere 9. Oktober um 20:00 Uhr

MADELEINE WILL NICHT

Schauspiel von Hans Zimmer

mit Sibylle Brunner und Willi Schlüter

Regie: Kay Szacknys

Täglich lesen wir in der Presse von Wohnungsnot, steigenden und überteuerten Mieten, Luxussanierung, Umwandlung in Eigentumswohnungen, Entmietung, Mieterverdrängung unter Einsatz teils unglaublicher Schikanen, Zwangsmaßnahmen und Zwangsräumungen. Die Macht von Konzernen setzt sich auch juristisch durch. Mieterinitiativen haben da kaum eine Chance, ihr Recht auf Wohnen und Wohnenbleiben im angestammten Haus, im angestammten Kiez, durchzusetzen.   Diese Situation bildet den Hintergrund zum neuen Theaterprojekt des Theaters in der List. Arbeitstitel: Madeleine will nicht.   Das Theater öffnet eine Tür, hinter der ein Mensch wohnt und wohnen bleiben möchte und an dessen Schicksal es das Publikum teilhaben lassen will. Dieser Mensch heißt Madeleine. Einst war sie mal ein gefeierter Theaterstar und jetzt ist sie 80 Jahre alt und wohnt seit über30 Jahren allein in diesem Altbau,  Hier möchte  Madeleine bis zu ihrem Tod wohnen und nirgendwo sonst. Eine andere kleinere Wohnung wäre teurer, und das kann sie sich von ihrer kleinen bescheidenen Rente nicht leisten.   Aber das Modernisierungs- Konsortium hat andere Interessen und das Schicksal von Madeleine ist ihnen egal. . 

Eines Tages steht plötzlich ein geheimnisvoller Mann in ihrer Wohnung. Eine komische Begegnung mit Folgen, der Beginn einer absurden Geschichte. Die beiden Alten, die primären Figuren in unserem Stück, placieren und projezieren Gestalten ihrer Wünsche, ihrer Angst auf die Bühne; fühlen mit ihnen, reden mit ihnen wie mit Menschen, welche dieselbe Wirklichkeit haben wie sie selbst. Absurde Stücke bieten Gedankenspiele, die grotesk, tragisch, melancholisch und zuweilen auch bewusst komisch die absurde Wirklichkeit widerspiegeln. 

Ein großer Theaterabend für zwei wunderbare Schauspieler.