geplante Premiere 23.4.2021 um 20.00 Uhr

Tennessee Williams

Die Glasmenagerie

Jeder träumt doch von etwas, vielleicht von kitzelnden Sonnenstrahlen auf der Nase, vielleicht von einem anderen Leben, vielleicht von der Liebe, vielleicht von einer gerechteren Welt, vielleicht aber auch nur von ein bisschen Ausruhen. Kleine wie große Träume sind Balsam für die Seele. Doch wenn sie zerplatzen, liegt sie da, die Seele, wund und schutzlos der Realität ausgeliefert. In der Familie Wingfield entflieht jeder auf seine eigene traumwandlerische Weise der Tristesse des Alltags. Nachdem der Vater die Familie verlassen und nur ein Foto und ein Grammophon hinterlassen hat, sind Mutter, Tochter und Sohn auf sich gestellt und kämpfen Tag um Tag mit ihrer prekären finanziellen Situation. Jeder von ihnen braucht einen Traum, einen Rückzugsort, um das Leben aushalten zu können. Mutter Amanda flüchtet sich in die Vergangenheit, in ihre Jugend als strahlende Ballkönigin. Ihr Sohn Tom, der die Familie als Lagerarbeiter in einer Schuhfabrik durchbringen muss, schreibt heimlich Gedichte und verbringt jede freie Minute im Kino. Und Tochter Lauras ganzes Glück besteht in einer Sammlung geheimnisvoller und fragiler Glastiere – ihrer Glasmenagerie. Doch eines Tages ist ein Hoffnungsstreif am dunklen Horizont zu erkennen. Ein Arbeitskollege von Tom, Jim O’Connor – einst schillernde Figur an der High School –, nimmt eine Einladung der Familie zum Abendessen an. Amanda sieht in Jim den idealen Ehemann für ihre Tochter. Und tatsächlich kommen sich die beiden an dem Abend näher. Sie zeigt ihm ihre Glasmenagerie. Es kommt zum Kuss. Dabei zerbricht Lauras schönstes Glastier, das Einhorn. Doch in diesem Bruchteil einer Sekunde öffnet sich für sie plötzlich ein Spalt zwischen Traum und Realität, denn für diesen einen kurzen Moment erscheint für Laura, die der Welt schon abhandengekommen war, noch einmal alles möglich.

Die Inszenierung von Florian Hackspiel befreit DIE GLASMENAGERIE von seinem nostalgisch pseudo-poetischen Rankenwerk  und entfaltet gerade dadurch eine enorme Strahlkraft. So wird Tennessee Williams’ Erfolgsstück zu einer Zeit, in der immer mehr Menschen alternative Lebensperspektiven entwerfen, in der Gegenwart ankommen.

Die Glasmenagerie wurde 1944 in Chicago uraufgeführt und machte den US-amerikanischen Autor Tennessee Williams (1911–1983) über Nacht berühmt. Sensibel und mit viel Liebe für seine Figuren erzählt Williams von der Sehnsucht, vom Verlust der Unschuld und vom Einbruch des Realen in die Welt der Träume – ein Thema von zeitloser Gültigkeit.

Inszenierung. Florian Hackspiel      Bühne: Pauline Knoblauch     Kostüme: Sabine Mech

mit: 

Anke Siefken                                          Marie-Madeleine Krause                  Frederik Reents                               Andre Grave


Wiederaufnahme im Herbst 2021  Trailer

FUROR von Lutz Hübner und Sarah Nemitz

 INHALT                                                                                          Ausgerechnet in der heißen Phase seines Wahlkampfs um das Amt zum OB einer großen deutschen Stadt gerät der Ministerialdirigent Heiko Braubach in einen Verkehrsunfall. Mitten im Bahnhofsviertel fährt er einen jungen Mann so schwer an, dass dieser für immer an den Rollstuhl gefesselt sein wird. Zwar ist Braubach schuldlos - der Junge stand zum Zeitpunkt des Unfalls unter massivem Drogeneinfluss und war einfach auf die Straße gelaufen -, dennoch beschließt er, wenn auch mit zweieinhalb wöchiger Verspätung, die Mutter des Jungen aufzusuchen, um mit ihr gemeinsam zu überlegen, wie man ihrem Sohn, der noch im Krankenhaus liegt, die richtige Hilfe zukommen lassen kann.
Die Mutter, Nele, von Beruf Altenpflegerin, die jeden Cent dreimal umdrehen muss, reagiert zunächst reserviert auf Braubachs Vorstöße. Mit der Zeit jedoch taut sie merklich auf und wirkt fast dankbar angesichts der ehrlichen Betroffenheit und selbstlos wie großzügig vorgetragenen Hilfsangebote Braubachs. Alles scheint auf ein vernünftiges Ziel hinzulaufen, als mit einem Mal der Cousin des schwerverletzten Junge - Jerome - auftaucht. Dieser sieht die Stunde seines heiligen Zorns gekommen. Da ist sie, die Fratze des machtgierigen, bigotten und nur auf die eigene Karriere bedachten Politikers! - doch nicht mit Jerome. Für ihn ist klar, dass Braubach nur aufgekreuzt ist, um zu vermeiden, dass sich die ganze Geschichte im Wahlkampf gegen ihn wenden könnte. Und so wittert Jerome seine Chance, Braubach zu erpressen. Doch da hat er die Rechnung ohne den abgezockten Politiker gemacht. Ein Schlagabtausch entspinnt sich zwischen den beiden: auf der einen Seite der etablierte, pragmatische Politiker, auf der anderen Seite ein junger Mann voller extremer Positionen, die sich aus Enttäuschung, Wut und Hass speisen.

Das erfolgreiche Autorenduo Lutz Hübner und Sarah Nemitz („Frau Müller muss weg“) schickt in seinem neuesten Stück exemplarisch drei Vertreter einer Gesellschaft, deren Konsens zerfällt, in einen rasanten Showdown. Wer repräsentiert eigentlich noch die Verlierer des neoliberalen Wettbewerbs? Was lässt unsere Gesellschaft auseinanderbrechen? Wie erodieren demokratische Werte? Diese Fragen waren der Ausgangspunkt für das Autorenduo.

Inszenierung: Kay Szacknys

mit: Willi Schlüter, Frederick Reents, Inga Kolbeinsson


"Das Boot ist voll"                                                                           Theatermonolog von Antonio Umberto Riccò                                                             nach der szenischen Lesung: „Ein Morgen vor Lampedusa“

„Das Boot ist voll!“ erzählt die berührende Geschichte des Eisdielenbesitzers Vito Fiorino, der vor der Küste Lampedusas zum Lebensretter wird. Ein Einpersonenschauspiel, das Tausende, besonders junge Besucher bewegt. Das von Respekt und Miteinander handelt. Wir begleiten Schülerinnen und Schüler zu einer Aufführung. Da steht er also und fegt seine Eisdiele auf Lampedusa. Er erzählt, wie man lebt, wenn man Dutzende gerettet und Hunderte sterben gesehen hat. „Das Boot ist voll!“ bringt Leben und Gedanken von Vito Fiorino auf die Bühne,  Eisdielenbesitzer auf der kleinen Insel südlich von Italien, die zum Synonym für Flucht und europäisches Versagen im  Mittelmeer geworden ist. Eine halbe Stunde vor Beginn sind die meisten schon da, Berufsschülerinnen und Berufsschüler der Alice-Salomon-Schule, die etwa zu zahntechnischen Fachangestellten ausgebildet werden. Viele stehen draußen vor dem Theater in der List. Manche rauchen, andere blicken in die Sonne an diesem Mittwochmittag. Mit dem Theaterstück endet für alle der Schultag, die Stimmung ist gut. In manchen Klassen war das Stück kurz Thema im Unterricht, manche Lehrer haben  den Inhalt bewusst im Unklaren gelassen. „Ein Stück über Rassismus, oder?“, sagt eine Schülerin, als sie beschreiben  soll, was sie erwartet.   Wer trägt die Schuld daran, dass so viele starben?   Autor Antonio Umberto Riccò  ließ die Katastrophe vor Lampedusa nicht mehr los, nachdem er von ihr gehört hatte. „Das Boot ist voll!“ beruht auf einer wahren Begebenheit. „Für mich geht es um Authentizität“, sagt er. Am 3. Oktober 2013 gerät ein Schiff mit 545 Menschen an Bord kurz vor der Küste der italienischen Insel Lampedusa in Seenot und  kentert. Der Eisdielenbesitzer Vito Fiorino gehört mit einigen Freunden zu den Ersthelfern. Sie waren zum Fischen mit Fiorinos Boot „Gamar“ aufs Meer gefahren. 47 Menschen können sie retten, von den 545 Menschen an Bord ertrinken  366. Bis heute gibt es Prozesse um die Frage, wer die Schuld daran trägt, dass nicht mehr Leben gerettet wurden. „La  barca è piena“, das Boot ist voll, ist in Italien und anderswo nicht nur ein geflügeltes Wort dafür, dass man keine Fremden mehr aufnehmen möchte. Die Küstenwache drängte die Crewmitglieder der „Gamar“ zur Umkehr in den Hafen. Sie konnten nicht mehr helfen, das Boot war voll – mit den 47 Geretteten. Der Deutschitaliener Riccò , eigentlich Lehrer von Beruf, sammelte alles, was er an Zeitungsartikeln kriegen konnte. Er  entwickelt daraus die szenische Lesung „Ein Morgen vor Lampedusa“, die an vielen Schulen gemeinsam mit Schülerinnen und Schülern vorgetragen wurde. Die Lotto-Sport-Stiftung hat sie 2017 mit dem Integrationspreis ausgezeichnet. Als Willi Schlüter von dem Projekt hörte, war er sofort begeistert. Zusammen mit Riccò  entstand die Idee zu einem Einpersonenstück mit Vito Fiorino als Hauptperson – gespielt von Schlüter. Der Schauspieler verschmilzt mit der Geschichte.„Das Boot ist voll!“  beschäftigt ihn mehr als andere Arbeiten. „Wenn mir auf der Bühne Tränen kommen, sind die nicht rausgepresst, sondern echt“, sagt er. Und er erzählt über Vito, der längst ein Freund geworden ist. Geschichten auch aus der Nacht der Rettung und der Nacht des Todes für so viele Menschen. Es sind Geschichten dabei, die so unvorstellbar grausam sind, dass er sie nicht auf der Bühne erzählt, auch nicht in den Diskussionen danach mit dem Publikum. Im Oktober, zum Jahrestag der Katastrophe, hat Willi Schlüter seinen Freund Vito Fiorino auf Lampedusa besucht. Sie sind um die Insel herumgefahren, mit ihren weißen Stränden und dem so  klaren Wasser, dass man den tiefen Grund erkennen kann. Die Dinge, die Vito in diesem klaren Wasser am 3. Oktober  2013 gesehen hat, die sind für Willi Schlüter so nah, als habe er sie fast selbst erlebt.

Die Aufführung bewegt die Besucher. Etwas über eine Stunde dauert die Aufführung. Man merkt vielen Besuchern an, dass sie ihnen sehr naheging.

Das Stück will keine Aufklärung mit dem Holzhammer  Um Schule, um Botschaften mit dem Holzhammer, darum soll es im Theater nicht gehen. „Wir machen jetzt keine Unterrichtsstunde“, hatte Schlüter deshalb auch gesagt, als er nach dem Schlussapplaus noch einmal auf die Bühne kam.  Er bedankte sich für den Respekt und das Zuhören, beantwortete ein paar Fragen, dann war Schluss.

Der Schauspieler freut sich, wenn sich junge Menschen mit der Geschichte befassen und merken, dass sie ihnen näher ist, als sie denken.

Antonio Umberto Riccò, der Regisseur und Autor des Theaterstücks, hat sich schon seit Jahren mit dem behandelten Thema befasst. „Auch wenn das konkrete Stück erst seit September in Arbeit ist – die Wahrheit ist eigentlich: Die Arbeit daran begann schon 2013 mit der Katastrophe“, sagt der Deutschitaliener. Sein Ziel ist es, mit „Das Boot ist voll“ Denkanstöße zu geben, die länger andauern als die 80 Minuten Spielzeit.

Auch 2021 soll das Stück in Schulen  aufgeführt werden. Vor allem bei den Schülern sei eines besonders wichtig, sagt Riccò: „Wir wollen die Menschlichkeit fördern.“

 

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