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"Das Boot ist voll"                                                                                                       

Theatermonolog von Antonio Umberto Riccò                                                                                                                                                               nach der szenischen Lesung: „Ein Morgen vor Lampedusa“

Foto: Sabina Bredemeier, Christine Jochem

Inhalt

Foto: Christine Jochem

„Das Boot ist voll!“ erzählt die berührende Geschichte des Eisdielenbesitzers Vito Fiorino, der vor der Küste Lampedusas zum Lebensretter wird. Ein Einpersonenschauspiel, das Tausende, besonders junge Besucher bewegt. Das von Respekt und Miteinander handelt. Wir begleiten Schülerinnen und Schüler zu einer Aufführung. Da steht er also und fegt seine Eisdiele auf Lampedusa. Er erzählt, wie man lebt, wenn man Dutzende gerettet und Hunderte sterben gesehen hat. „Das Boot ist voll!“ bringt Leben und Gedanken von Vito Fiorino auf die Bühne,  Eisdielenbesitzer auf der kleinen Insel südlich von Italien, die zum Synonym für Flucht und europäisches Versagen im  Mittelmeer geworden ist. Eine halbe Stunde vor Beginn sind die meisten schon da, Berufsschülerinnen und Berufsschüler der Alice-Salomon-Schule, die etwa zu zahntechnischen Fachangestellten ausgebildet werden. Viele stehen draußen vor dem Theater in der List. Manche rauchen, andere blicken in die Sonne an diesem Mittwochmittag. Mit dem Theaterstück endet für alle der Schultag, die Stimmung ist gut. In manchen Klassen war das Stück kurz Thema im Unterricht, manche Lehrer haben  den Inhalt bewusst im Unklaren gelassen. „Ein Stück über Rassismus, oder?“, sagt eine Schülerin, als sie beschreiben  soll, was sie erwartet.   Wer trägt die Schuld daran, dass so viele starben?   Autor Antonio Umberto Riccò  ließ die Katastrophe vor Lampedusa nicht mehr los, nachdem er von ihr gehört hatte. „Das Boot ist voll!“ beruht auf einer wahren Begebenheit. „Für mich geht es um Authentizität“, sagt er. Am 3. Oktober 2013 gerät ein Schiff mit 545 Menschen an Bord kurz vor der Küste der italienischen Insel Lampedusa in Seenot und  kentert. Der Eisdielenbesitzer Vito Fiorino gehört mit einigen Freunden zu den Ersthelfern. Sie waren zum Fischen mit Fiorinos Boot „Gamar“ aufs Meer gefahren. 47 Menschen können sie retten, von den 545 Menschen an Bord ertrinken  366. Bis heute gibt es Prozesse um die Frage, wer die Schuld daran trägt, dass nicht mehr Leben gerettet wurden. „La  barca è piena“, das Boot ist voll, ist in Italien und anderswo nicht nur ein geflügeltes Wort dafür, dass man keine Fremden mehr aufnehmen möchte. Die Küstenwache drängte die Crewmitglieder der „Gamar“ zur Umkehr in den Hafen. Sie konnten nicht mehr helfen, das Boot war voll – mit den 47 Geretteten. Der Deutschitaliener Riccò , eigentlich Lehrer von Beruf, sammelte alles, was er an Zeitungsartikeln kriegen konnte. Er  entwickelt daraus die szenische Lesung „Ein Morgen vor Lampedusa“, die an vielen Schulen gemeinsam mit Schülerinnen und Schülern vorgetragen wurde. Die Lotto-Sport-Stiftung hat sie 2017 mit dem Integrationspreis ausgezeichnet. Als Willi Schlüter von dem Projekt hörte, war er sofort begeistert. Zusammen mit Riccò  entstand die Idee zu einem Einpersonen-stück mit Vito Fiorino als Hauptperson – gespielt von Schlüter. Der Schauspieler verschmilzt mit der Geschichte.„Das Boot ist voll!“  beschäftigt ihn mehr als andere Arbeiten. „Wenn mir auf der Bühne Tränen kommen, sind die nicht rausgepresst, sondern echt“, sagt er. Und er erzählt über Vito, der längst ein Freund geworden ist. Geschichten auch aus der Nacht der Rettung und der Nacht des Todes für so viele Menschen. Es sind Geschichten dabei, die so unvorstellbar grausam sind, dass er sie nicht auf der Bühne erzählt, auch nicht in den Diskussionen danach mit dem Publikum. Im Oktober, zum Jahrestag der Katastrophe, hat Willi Schlüter seinen Freund Vito Fiorino auf Lampedusa besucht. Sie sind um die Insel herumgefahren, mit ihren weißen Stränden und dem so  klaren Wasser, dass man den tiefen Grund erkennen kann. Die Dinge, die Vito in diesem klaren Wasser am 3. Oktober  2013 gesehen hat, die sind für Willi Schlüter so nah, als habe er sie fast selbst erlebt.

Die Aufführung bewegt die Besucher. Etwas über eine Stunde dauert die Aufführung. Man merkt vielen Besuchern an, dass sie ihnen sehr naheging.

Das Stück will keine Aufklärung mit dem Holz-hammer  Um Schule, um Botschaften mit dem Holzhammer, darum soll es im Theater nicht gehen. „Wir machen jetzt keine Unterrichts-stunde“, hatte Schlüter deshalb auch gesagt, als er nach dem Schlussapplaus noch einmal auf die Bühne kam.  Er bedankte sich für den Respekt und das Zuhören, beantwortete ein paar Fragen, dann war Schluss.

 

Der Schauspieler freut sich, wenn sich junge Menschen mit der Geschichte befassen und merken, dass sie ihnen näher ist, als sie denken.

Cast

Vito Fiorino                                  Willi Schlüter

Regie

Antonio Umberto Riccò

Bühne

 Sabina Bredemeier t

Musik

       Mark Eichenseher

Technik

   Günter Stückemann

Besonders danken wir den Rettern

Vito Fiorino

sowie

Sharani Anna Bonaccorso

Carmine Menna

Grazia Migliosini

Linda Barocci

Marcello Nizza

Alessandro Marino

Rosalia Racioppi

Die Retter mit den Geretteten

auf der Gamar

Vito Fiorino und Willi Schlüter

nach der Premiere im Theater in der List am 6.April 2018

Presse

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02 HAZ Stadt-Anzeiger Ost – 2018.04.12 –
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11 Emden OstfriesenZeitung 24.10.18 Boot
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