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Theaterkomödie „Extrawurst“Kulturkampf am Grillbuffet       

Von Stefan Keim Deutschlandradio

Die Satire „Extrawurst“ von Dietmar Jacobs und Moritz Netenjakob mausert sich zum Theaterhit. Das Stück über einen Tennisclub, in dem aus einem nichtigen Grund Rassismus ausbricht, hat Diskussionspotenzial – und lässt die Zuschauer mitbestimmen.

Ein neuer Grill soll angeschafft werden. Einer, der auf mehreren Stufen viele Würstchen, Steaks und Koteletts gleichzeitig schafft. Matthias, Vize-Vereinsvorsitzender eines Kleinstadt-Tennisclubs, hat eine Powerpoint-Präsentation vorbereitet, der Grill ist sein ganzer Stolz. Der machtverwöhnte Langzeitchef Heribert will den Beschluss durchwinken, da meldet sich die erfolgreichste Spielerin. Melanie gewinnt mit ihrem Doppelpartner Erol einen Preis nach dem anderen. „Wäre es nicht eine nette Geste für unsere türkischen Mitglieder, wenn wir für die noch einen zweiten Grill dazu holen?“, fragt sie. „Aber wir haben doch nur ein türkisches Mitglied. Und, Erol, hast du ein Problem mit dem Grill?“, wendet Heribert ein. „Nee, Leute, meinetwegen müsst ihr keinen Extragrill anschaffen. Ich hab da kein Problem mit.“                                        Wenn Kleinigkeiten hochkochen      Aber Melanie beharrt darauf, einen zweiten Grill anzuschaffen. Es geht ihr um Respekt. Denn Erol kann als gläubiger Moslem nichts von einem Grill essen, auf dem auch Schweinefleisch zubereitet wird. So wird aus einer Kleinigkeit eine grundsätzliche Debatte. Bald brechen Ängste und Vorurteile hervor, die zunächst unter der freundlichen Oberfläche verborgen blieben.                                         „Ich glaube, dass es uns gelungen ist, die derzeitige Diskussion, die in Deutschland sehr stark ist, mit dem Stück einzufangen. Das heißt diese Mechanismen von Erregung und von Hochkochen von Kleinigkeiten“, sagt der Autor des Stücks, Dietmar Jacobs. Er zählt zu Deutschlands Top-Autoren im Kabarett. Er schreibt für viele Satiresendungen im Fern-sehen, u.a. "Stromberg".

 „Extrawurst“ ist eine Komödie mit Abgründen, die zeigt, wie sich eine harmlose Diskussion verselbstständigt. 

„Die Trennlinie zwischen rechten und linken Positionen, zwischen moralischen und un-moralischen Positionen, geht ja nicht nur durch eine Wählerschaft oder durch eine Gesell- schaft, sondern geht ja oft durch Personen selber durch“. Eigentlich ist die Lösung diskutieren, sich zuhören, das alles mit dem Willen, sich nicht zu zerlegen, sondern zu sagen, wir können uns trotzdem noch in die Augen schauen. Und wir können auch bei einer kontroversen Diskussion noch Freunde bleiben und können einen Club aufrecht erhalten. So wie wir ein Land aufrecht erhalten können.“    so Jacobs

Cast

Willi Schlüter

Hendrik Massute

Anke Siefken

Inga Kolbeinsson

Termine

15. Oktober 20:00 Uhr Premiere

weitere in Planung

31.12.2021 Silvestervorstellung